Da meine Kommentare zum letzten Beitrag nicht gespeichert wurden, nun hier ein wenig Antwort zum Thema Esperanto (vs.) Xeta.
Ich habe Xeta nicht als Konkurrenz angelegt, ich will Esperanto nicht überholen, ich weiß, dass das nicht geht. Mit dem Esperanto ist es halt wie mit den Autos mit Schaltgetriebe. Sie sind herrlich umständlich, und während der Rest des Autos im 21. Jahrhundert angekommen ist, gleicht das Schaltgetriebe selbst des neuesten Ferraris dem des ersten Zuckelwagen. Gleiches gilt für Esperanto. Das ist auch seit Bestehen von so vielen Leuten kritisiert worden, qualifiziert und natürlich nicht qualifiziert; manchesmal war Neid Motor der Kritik, oft aber haben sich die Kritiker schon Gedanken gemacht. Und viele Kritiker haben sich auch die ach so sinnlose Arbeit gemacht, eine möglicherweise gangbarere Sprache zu entwerfen. Diesen vermessenen Anspruch habe ich ja schon gar nicht, meine größte Vermessenheit geht dahin, Probierstein zu sein und/ oder andere Plansprachler/ Interlinguisten zur Reflexion anzuregen. Mehr nicht. Das ist wie mit den Leuten, die sich Gedanken über das umständliche Schaltgetriebe gemacht haben und Weiterentwicklungen vorstellen. Manches ist Unfug, manches unbrauchbar, weniges aber auch besser. Dann kommt ihnen aber auch der Schwall entgegen: warum die Arbeit? Es geht doch auch mit dem umständlichen Vorhandenen. Und das dann stets aus dem Munde derer, die an jeder anderen, weniger wichtigen Ecke Vereinfachungen, Bequemlichkeiten und Erleichterungen fordern und ohne anderes nicht leben können.
Mittlerweile hat Xeta mehr als 420 Wörter; ich habe zwei Fabeln von Aesop und Lessing ins Xeta übersetzt.
Die ersten zwei Wochen sind vorbei. Xeta hat mittlerweile mehr als 330 Wörter, eine erste kleine Korrektur erfahren (Worte mit der eigentlich gesperrten Vorsilbe qa- wurden umgewandelt). Ich habe einen Vers aus Genesis 11 übersetzt, ähnlich Artikel 1 der Menschenrechte. Andererseits überlege ich weiterhin, wie ich die Sprache noch nützlicher und sinnvoller machen kann, so dass mehr Leute diese Sprache theoretisch lernen wollten.
Nützt eine eigene Geschichte um eine künstliche Welt? Dann ist die Sprache aber sofort weg von der Hilfssprache. Lege ich mir eine künstliche Philosophie von hier haben wir uns alle lieb und vergessen mal unsere eigenen Kulturen (obwohl wir sie natürlich respektieren…) und mache mich damit genauso unglaubwürdig wie manch andere Plansprache? Oder hoffe ich einfach darauf, dass es irgendwer irgendwann lernen wird? Jener Sonntagvormittag in der UB in Reykjavik war da schon lehrreicher, als ich eine alte deutschstämmige Plansprache entdeckt habe, die aber vermutlich niemand jemals gesprochen haben mag. Einfach auf den guten Willen hoffen, ist wohl tödlich. Man muss die Leute ködern, sowohl mit einem technisch ausgereiften und umfangreichen Angebot als auch mit einem inhaltlichen Grund, diese Sprache zu lernen.
Damit wäre ich dann wieder bei meiner alten Theorie, dass eine wirklich Plansprache nur dann einen Sinn hätte, wenn sie sich von ihrer Stellung als Hilfssprache befreien würde. Eine Sprache hätte so nur Sinn, wenn sie alle möglichen Themen eindeutig, unmissverständlich und dennoch genügend variabel darstellbar machen würde, auf Irregularitäten verzichtete, und zudem noch von jedem schreib- und sprechbar wäre.
Das allerdings schafft zur Zeit keine Sprache. Englisch ist irregulär, verwaschen, von Euphemismen und Neologismen durch- und durchzogen, Esperanto zu beschränkt in der Aussprache und alle phonetisch internationalisierten Sprachen sind nicht leistungsfähig genug. Die altbekannte Forderung nach einer nicht voreingenommenen Kultur ist ohnehin das Unding schlechthin.
Andererseits wusste ich, dass ich das mit Xeta sowieso nicht erreichen wollte und ich zweifle daran, dass es überhaupt jemals möglich wäre.